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Bericht | 19.10.2026

Gottfried Böhm Stipendium: Future Chorweiler – Neue Perspektiven für den Kölner Norden

Wie können bestehende Stadtstrukturen weiterentwickelt und neue Orte der Begegnung geschaffen werden? Mit dieser Frage beschäftigte sich die australische Architektin Leona Dusanovic im Rahmen des Gottfried-Böhm-Stipendiums. Am 12. Oktober 2026 präsentierte sie im Historischen Rathaus Köln ihre Arbeit „Future Chorweiler“ und zeigte neue Perspektiven für die städtebauliche Entwicklung des Kölner Nordens auf.

Ausgangspunkt ihrer Untersuchung war der historische Masterplan von Rudolf Schwarz aus den 1950er-Jahren. Dusanovic setzte sich mit der ursprünglichen Idee Chorweilers als Satellitenstadt auseinander, in der Wohnen und Arbeiten eng miteinander verbunden sein sollten. Anhand historischer Entwicklungen und eigener Bestandsanalysen untersuchte sie, welche Potenziale die bestehenden Stadtstrukturen heute bieten.

 Neue Freiräume und Begegnungsorte

Im Mittelpunkt ihres Entwurfs steht die Weiterentwicklung des Chorweiler Stadtteilzentrums. Durch eine Öffnung des Einkaufszentrums und neue öffentliche Wegeverbindungen sollen räumliche Barrieren abgebaut und bestehende Stadträume stärker miteinander verknüpft werden.

Ein zentraler Bestandteil ist ein neuer Stadtpark zwischen Liverpooler Platz und Pariser Platz. Ergänzt durch eine Markthalle, Sportangebote und weitere öffentliche Nutzungen soll ein lebendiger Treffpunkt entstehen, der neue Aufenthaltsqualitäten schafft und das gemeinschaftliche Stadtleben stärkt.

Auch für das östlich des Fühlinger Sees gelegene Feldkassel entwickelt Dusanovic eine Zukunftsvision. Auf dem ehemaligen Dorfstandort, der heute gewerblich genutzt wird, könnte durch die Umnutzung bestehender Gebäude und die Ergänzung von Schule, Kindergarten, Nahversorgung und Grünflächen ein zweites Nachbarschaftszentrum entstehen.

 Architektur als gesellschaftliche Verantwortung

Die gesellschaftliche Bedeutung solcher Stadträume hob auch Architekt Paul Böhm in seiner Ansprache zur Präsentation hervor:

„Welche Räume fördern Vertrauen, welche Räume erzeugen Isolation? Städtische Räume wirken als Katalysator für Begegnungen oder eben als Treiber sozialer Spaltung. Das heißt: Architektur, Städtebau, das Schaffen von Räumen, in denen Begegnung stattfindet, wo ein Miteinander stattfinden kann oder Vereinsamung entsteht, hat Einfluss auf den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.“

— Paul Böhm, 12. Oktober 2026

Damit unterstreicht Böhm den Gedanken, Architektur und Städtebau nicht allein als gestalterische Aufgaben, sondern als gesellschaftliche Verantwortung zu verstehen.

 

Dusanovics Arbeit „Future Chorweiler“ versteht sich nicht als fertiger Masterplan, sondern als Impuls für die zukünftige Entwicklung des Kölner Nordens. Sie zeigt, wie bestehende Strukturen neu interpretiert, öffentliche Räume gestärkt und durch gezielte Eingriffe neue Möglichkeiten für ein gemeinschaftliches Stadtleben geschaffen werden können.

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